Nachdem die elektrische Mobilität mit dem Hyundai IONIQ eingeläutet ist und beruflich gerade eine Änderung ansteht – warum nicht gleich voll durchziehen und auch den Erstwagen elektrisch machen? Was dafür in Frage kommt, ist bei unserem bisherigen Erstwagen eigentlich recht klar: das Tesla Model X könnte eventuell den Dodge Durango ablösen.

Heute also ging es nach München zur vereinbarten Probefahrt und Konfiguration – aber machen wir es Schritt für Schritt.

Unser Exemplar (ein P90DL) wartete schon aufgeladen auf uns in er Sommerhitze des Tages. Zuerst wurde das Äußere inspiziert – wobei natürlich die bereits offenstehenden Flügeltüren sofort mächtig Eindruck schinden. Kofferraum (wir hatten den 5Türer) ist überraschend groß (kommt dem Durango relativ nahe, ohne ihn natürlich erreichen zu können) und wird durch einen unerwartet großen Frunk (vorderer Kofferraum unter der „Motorhaube“) komplettiert. Klar ein grüner Haken an dem Thema.

Dann ging es auch schon schon los über die Landstraße und der Autopilot getestet. Geht gut aber (noch) nicht so gut, wie ich es erwartet hätte. Die eine oder andere Biegung wurde recht ruppig nachkorrigiert, aber im Großen und Ganzen sehr beeindruckend (es ist die Hardware der zweiten Generation, da ist ja der Autopilot noch eingeschränkt). Auf der Autobahn Beschleunigungstest mit und ohne Ludicrous Mode. Ludicrous ist wirklich „lächerlich“ (oder „von Sinnen“, wie es übersetzt im Display stand), das Kopfnicken und in-den-Sitz-gepresst-werden ist wie in den bekannten Videos. Da der P100DL aber nicht so recht in unser Budget passt, sind die Tests mit dem normalen 90D interessant, denn auch die müssten ja schon beeindruckend sein. Also wurde auf den Normalmodus umgestellt. Natürlich beschleunigt der Tesla auch dann noch mehr als ordentlich, aber zu meiner riesigen Überraschung gefühlt nicht wesentlich besser als unser „alter Verbrenner“. Habe auf dem Heimweg nochmal mit unserem Wagen gegengetestet – sehr nahe dran vom Gefühl. Somit gäbe es für den Ludicrous Mode einen grünen Haken, wenn der Preis nicht wäre (wir reden dann realistisch von 150.000€). Ohne diesen ist er wie gesagt immer noch sehr gut, aber für ein Auto, was das doppelte von unserem kostet (jeweils in der gewünschten Ausstattung) kein aktiver Pluspunkt.

Die Elektronik ganz kurz: der Traum eines Nerds – Ausrufezeichen.

Nun wurde getauscht und ich nahm in der zweiten Reihe Platz – die Flügeltüren sind sicherlich beeindruckend, vermitteln mir persönlich eher ein Gefühl des „netten Feature zum Vorführen“ als ein wirklicher Pluspunkt zu sein. Nun sitze ich also hinten in einem 120.000€ Auto, habe genug Freiraum und genieße den Blick durch die riesige Panoramascheibe. Also die Scheibe ist ganz klar ein Pluspunkt – wow. Aber was kann man hier hinten noch machen? Türen auf und zu, Fenster auf und zu – Schluss. Man kann hier nicht sein Klima regeln (geht nur über den großen Bildschirm regeln), nicht die Sitzheizung aktivieren (auch Bildschirm vorne), nicht das Entertainmentsystem (es gibt hinten kein separates) bedienen und nicht mal den Arm gemütlich auf eine Mittelarmlehne legen (gibt es wohl überhaupt nur beim 6Sitzer und da als brandneue Option).

Wenn ich das mit dem Durango vergleiche: der hat hinten Bildschirme für den blu-ray-Player inkl. passender Fernbedienung, volle Kontrolle über die Klimaanlage und Sitzheizung) und eine Mittelarmlehne mit Becherhalter. Eine ganz andere Welt. Aber auch der deutlich günstigere IONIQ gibt einem schon hinten mehr Optionen an die Hand als der Tesla. Mag DINKs egal sein, mit einem (oder mehreren) Kind(ern) schüttelt man da den Kopf, das ist weit unter der Erwartung, die ich an solch ein Auto habe. Ein dickes, rotes X zeigt sich hier.

Kommen wir noch zum Design, welches positiv ausgedrückt sehr unauffällig ist. Kann man sich schon vorstellen zu fahren, aber Emotionen löst es nicht bei mir aus (und auch sonst nicht in der Familie). Natürlich ist unser bisheriger Wagen ein absoluter Hingucker (wir erleben das ständig) und damit das Gegenstück, aber etwas mehr Style hätte nicht geschadet. Ebenso ist der IONIQ auch kein auffälliges Auto, aber da reden wir vom vernüftigen Zweitwagen für die Stadt.

Last but not least kommen wir dann zum Preis, welcher sich bei unseren Vorstellungen bei über 120.000€ einpendelt. Seien wir ehrlich, das haben wir nicht bar rumliegen, also wäre eine Teilfinanzierung der Weg. Da wird sich viel Mühe gegeben, die Rate schönzurechnen (man zieht alle Kosten ab, welche nun wegfallen wie Steuer, Benzin, Wartung) aber erstens ist die noch über meinen Vorstellungen und zweitens: ist da eigentlich überhaupt dieses „haben will“-Gefühl, mit dem man es sich selbst schönredet? Aber vor allem wird konsquent nur über eine Ballonfinanzierung geredet – es bleibt also am Ende eine nicht unerhebliche Restschuld stehen. Wenn ich schon nicht bar bezahle, dann sollte ich mich wenigstens nicht selbst belügen mit Raten, welche gar nicht dem Kredit entsprechen, der wiklich dahintersteckt.

Conclusio: der Model X ist ein hervorragendes großes E-Auto. Aber in meiner persönlichen Sicht passen Preis/Leistung nicht zusammen im Vergleich zu unseren beiden anderen Wagen. Somit sieht es nicht so aus, dass wir uns für den Model X entscheiden, sondern eher den „alten“ V8 noch eine ganze Weile fahren. Es kann noch eine Stellschraube geben, welche das noch einmal umwürfelt, aber das weiß ich frühestens im Juni und selbst dann muss ich mir überlegen, ob er mir die 120.000€ wert ist.